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Nietzsche, Friedrich (1844-1900) Biographie

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Friedrich Nietzsche

(Forzetzung)

Ob der ruhelose Wanderer in Basel, Sorrent, Bad Ragau, Naumburg, Bad Bex, Chur, Riva oder Venedig war, er mußte sich stets mit seinen Manuskripten beschäftigen, die ihm als Basis für seine weiteren Bücher dienten, wie der "Morgenröte, Gedanken über menschliche Vorurteile". Darauf folgte "Die fröhliche Wissenschaft", die quasi ein Vorspiel für sein bedeutendstes Werk "Also sprach Zarathustra" war. Nietzsche nennt sein Werk auch das fünfte Evangelium, weil es ein Reich ohne Transzendenz verheißen soll. Da laut Nietzsche "Gott tot ist", stimmen unsere Anschauungen über Wahrheit, Lüge, Wissenschaft, Kunst nicht mehr. Alles hat seinen Sinn verloren und die Rolle des Menschen muß neu durchdacht werden. Diese Ansicht über die Entwertung der Werte machte ihn zu einem Wortführer des Nihilismus. Bei ihm erfolgt jedoch die Hinwendung auf das Diesseits, die letztendlich eine positive Einstellung darstellt, da sie das Lustprinzip freigibt.
Also kann der Mensch nur eine Erhöhung seiner selbst anstreben. Nietzsche lehnt die christlichen Tugenden ab; zum Beispiel, dass die Seele alles ist und der Leib nichts bedeutet. Er bezieht sich in seinen Manuskripten und im Zarathustra auf die Wichtigkeit des physischen Lebens auf der Erde und nicht auf die "... überirdischen Hoffnungen..." (Jenseitsglaube). Das dionysische Prinzip, versteht er als rauschhaft, irrationale Erleben, das er als schöpferische Urkraft ansieht. Er stellt dies dem sokratischen Denken Gegenüber, das die systematische Rationalität betont.
Er ist gegen ein "..freveln..." an der Erde in Form einer Ausbeutung, da die einzige Zukunft auf der Erde ist und nicht auf eine Welt danach ausgerichtet ist. Für Nietzsche sind Wahrheiten nichts objektives, sondern sie sind relativ, da sie durch historische Umstände bedingt sind.
Seine Empfehlung: "Du gehst zu Frauen? Vergiß die Peitsche nicht!" deuten die autobiographischen Züge an, da er durch die Enttäuschung an den Frauen, die er liebte, die Intrigen Elisabeths (seiner Schwester) und die Dummheit der Mutter, an den Rand der Verzweiflung, möglicherweise des Selbstmords getrieben wurde.
Nietzsches Werke zeigen psychologische Aspekte, wie sie bisher in der Philosophie nicht zu beobachten waren.
Nietzsche ist kein systematischer Denker. Es gibt keinen Einstieg über klar definierte Begriffe, die uns erleichtern würden, ihn zu verstehen. Das Werk der meisten Philosophen läßt sich verstehen, ohne über ihre Lebensgeschichte in Einzelheiten informiert zu sein. Bei Nietzsche verhält es sich eher umgekehrt. Niemand vor ihm hat so selbstbezogen philosophiert wie er, kaum einer hat so zerstörerisch sich zur eigenen Tradition verhalten, nur wenige haben zur eigenen Zeit sich so quergelegt und ihren Nachfahren so viele Rätsel und Widersprüche hinterlassen. Der Philosoph lehnte die Aufklärung und den sokratischen Geist, d.h. die Gleichsetzung von Vernunft, Tugend, Glück und auch die Erlangung von Erkenntnissen durch wissenschaftliche Methoden ab.
Seine Ansichten wechseln während seines Lebens teilweise ins Gegenteil. Die Ursache ist die ständige kritische Auseinandersetzung mit seiner Umwelt, die ihm zu dieser Überzeugung führt. Zum Beispiel war er aufgrund seiner Erziehung und seines Elternhauses streng religiös, doch 1888 entstand sein Werk "Der Antichrist". Dieser Verlust des Glaubens war wohl das entscheidendste Ereignis in Nietzsches Entwicklung. Er stellte die Sklavenmoral des Christentums der Moral des freien Geistes gegenüber. Auch seine Einstellung zur Romantik veränderte sich im Laufe des Lebens. Anfangs war er überzeugt von den Deutschen und pries sie als das "berühmte Volk der Innerlichkeit". Später kritisierte er die Deutschen und ihre Art als unterwürfig, neidisch und zurückgeblieben. Die Besserwisserei der akademischen Betriebe und die Oberflächlichkeit die sich im Kulturleben ausbreitete war ihm zuwider.
"Unsere ganze europäische Kultur bewegt sich seit langem schon mit einer Tortur der Spannung, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wächst, auf die Katastrophe los."; dieses Zitat zeigt
Nietzsche als Visionär. Dass ausgerechnet Nietzsche, der im Gegensatz zu Wagner jede Form des Antisemitismus ablehnte den Nazis Begriffsbildungen (Übermensch, Herrenmoral, Wille zur Macht) für ihre faschistischen Parolen lieferte zeigt den Mißbrauch den die Nazis mit vielen deutschen Philosophen und Schriftstellern getrieben haben.
Auch hat er die Absurdität des Fortschrittglaubens durchschaut. Als ob er die Folgen der technischen-wissenschaftlichen Zivilisation geahnt hätte schreibt er in seinem Nachlaßfragment: "Es ist alles glatt und gefährlich auf unserer Bahn, und dabei ist das Eis, das uns trägt, so dünn geworden: Wir fühlen alle den warmen unheimlichen Atem des Tauwinds - wo wir noch gehen, da wir bald niemand mehr gehen können."
Am 25. August 1900 starb er in Weimar.


Weitere Werke: - Die Dämmerung (1881)
- Jenseits von Gut und Böse (1886)
- Zur Genealogie der Moral (1887)
- Der Fall Wagner (1888)
- Die Götzendämmerung (1888)
- Ecce Homo (1888)


Quellen: - Gedichte der Philosophie, Curt Friedlein
- Friedrich Nietzsche, Eine bürgerliche Tragödie; Horst Althaus
- Liengen Lexikon, Band 13
- Die Grossen, Band VIII/2
- Sofies Welt, Jostein Gaarder
- Nietzsche, Ivo Frenzel
  
Jenseits von Gut und Böse. Zur Genealogie der Moral
Siehe auch:
Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch...
Morgenröte / Idyllen aus Messina / Die fr...
Also sprach Zarathustra
Der Fall Wagner. Götzen- Dämmerung. Der A...
Menschliches, Allzumenschliches, I und II...
Die Geburt der Tragödie; Unzeitgemaeße Be...
 
   
 
     
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